09.09.06

Premiere der Fragmente in Mainz.
Die Premiere der "Heimat-Fragmente" findet am 28. Oktober 2006 um 20.00 Uhr 
im Mainzer Staatstheater (Großes Haus) statt. Laut Spielplan 12.50 EUR Eintritt.

Das Pro-Winzkino in Simmern spielt die
"Heimat-Fragmente" von 17. bis zum 19. November. 
Uhrzeit und Preise werden auf deren Homepage bekannt gegeben.

04.09.2006
update 05.09.06
(C. Drommer, Kinowelt)

Heimat-Trilogie in limitierter Premium - Edition

Die Heimat-Trilogie von Edgar Reitz wird am 17.11.06 in einer limitierten Premium-Edition bei Arthaus / Kinowelt erscheinen. Im Umfang sind 16 DVD's mit den 30 Filmen sowie exklusivem Bonusmaterial enthalten. Der Preis steht noch nicht fest, aber es gibt schon eine Bestellnummer: EAN 4006680032533



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date:
Heute erhielten wir per Email weitere Informationen der Firma Kinowelt:

In der Reihe "ARTHAUS-Premium" ist die limitierte und nummerierte Edition mit 16 DVD's erhältlich. 15 DVD enthalten die Filme (wie das bisherige Angebot von Kinowelt). Auf der 16. DVD, dem Bonusträger, gibt es auf 180 min Länge:

- Edgar Reitz zur DVD-Edition (Dokumentation 2006) 
  (Einführung, gesprochen von Edgar Reitz, ca. 10 min).
- Ein Denkmal für den Hunsrück, Regie: Christa Tornow
- Bis zum Augenblick der Wahrheit (Dokumentation 1987), Regie: Robert Busch
- Einer Für Schabbach (Dokumentation 2004), Regie: Lothar Spree
- 6 Konzerte von Hermann und Clarissa, Regie: Edgar Reitz 
  (Konzertaufnahmen in nicht verwendeten Szenen aus der Heimat-Trilogie)
- Ausschnitte aus Teamfilmen. 
   Amateuraufnahmen der Teammitglieder "Hinter den Kulissen, hinterlegt mit Musik", "ein echter Spaß", 
   Zitat Edgar Reitz

(Das Bonusmaterial wird derzeit von Edgar Reitz und seinem Sohn Christian produziert.)

Der bisherige veranschlagte Verkaufspreis liegt bei ca 300 EUR.

Die "Fragmente" werden gegen Ende des Jahres ebenfalls bei Kinowelt erscheinen. Allerdings ohne Untertitel, da die Rechte für die internationale Version nicht bei der Kinowelt liegen.

Hier noch ein paar Impressionen des Einbandes in Buchform:

















29.08.2006

Reitz: Fernsehmarkt behindert Filmschaffende 

[jv] München- Der Regisseur und Filmproduzent Edgar Reitz ("Heimat") hat die mangelnde Freiheit von Filmschaffenden großer Filme in Deutschland beklagt. 

Grund dafür sei die enge Bindung zum Fernsehen, sagte Reitz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in München. 

"Es gibt im deutschen Film, sofern es sich um den so genannten Kinofilm handelt, überhaupt keine freie Entfaltung, weil ohne die Gelder des Fernsehens nichts läuft", fügte er hinzu. Daher gebe es im eigentlichen Sinn keine Kinofilme mehr, denn sie würden alle in den Fernsehredaktionen entschieden. Weil es dabei nur noch um Einschaltquoten und die Bedürfnisse des deutschen Fernsehmarktes ginge, werde der weltweite Erfolg eines solchen Films bereits im Vorfeld verhindert. "Dieses Spiel können Fernsehleute nicht mitspielen, denn sie kennen den anderen Markt nicht und nicht die Denkgewohnheiten der internationalen Kritik", sagte Reitz. 

Um "Endlosdiskussionen" um seine Arbeit zu vermeiden habe er seine neueste Produktion "Heimat-Fragmente - Die Frauen" gar nicht erst in einer Fernsehredaktion angeboten. Nahezu die kompletten Produktionskosten finanzierte er gemeinsam mit seinem Sohn und Mitproduzenten Christian aus eigener Tasche. 

"Ich wollte die Freiheit haben, alles so zu entwickeln, wie es sich in meiner Phantasie abspielt", sagte Reitz. "In einer Produktion gibt es oft Zeiten, in denen kann man nicht erklären, da muss man einfach machen - und man muss auch Irrwege gehen." Das sei nur in einer freien Produktion möglich gewesen. "Heimat-Fragmente - Die Frauen" wird am 2. September bei der Biennale in Venedig uraufgeführt. (ddp)

Quelle

29.08.2006

Reitz wollte sich verabschieden

Teil 4 der "Heimat"-Trilogie wird in Venedig uraufgeführt

So kam die "Heimat-Trilogie" zu einem vierten Teil. Dem Deutschen Depeschen-Dienst sagte Regisseur Edgar Reitz, er habe das Bedürfnis gehabt, sich von seinen Figuren auch filmisch zu verabschieden. Bei den gut 140 Minuten handelt es sich um einen Zusammenschnitt von nicht verwendeten Szenen aus Teil eins bis drei. "Heimat-Fragmente - die Frauen" heißt der Film; er wird bei der Biennale in Venedig am 2. September uraufgeführt.

Quelle

28.08.2006

Günderodehaus bleibt auch weiter geöffnet

Ein bisher geltender Insolvenzantrag gegen die Betreiber-Gesellschaft des Günderodehauses in Oberwesel ist wieder zurückgezogen worden. Das durch die Hunsrücksaga "Heimat" berühmt gewordene Ausflugslokal bleibt weiterhin geöffnet. Allerdings muss wohl das Konzept geändert werden. Der Vertrag des jetzigen Betreibers läuft nur noch bis zum Jahresende. Auch die Investorengemeinschaft möchte ihn nicht verlängern. Grund waren nicht zuletzt finanzielle Zwistigkeiten zwischen den Vertragspartnern. Weder Stadt noch Verbandsgemeinde wollten Leitungs- und Ausbaukosten für das Filmhaus übernehmen. Deshalb hatten zwei Geschäftsleute aus Liebhaberei das Projekt angenommen und finanziert. Sie suchen nun einen anderen Betreiber oder jemanden, der das Projekt vollständig übernimmt - inklusive der bisherigen Kosten.
 

02.08.2006
(update 16.08.2006)

Heimat  4 - Titel trotz Reitz' Widerruf

In Teilen der Presse scheint sich trotz des medialen Widerrufs von Edgar Reitz (siehe Meldung vom 16.03.06) der Titel HEIMAT 4 durchzusetzten.
So berichtet der österreichische Rundfunk ORF auf seiner Internetseite, das HEIMAT 4 Premiere in Venedig haben wird und danach in Mainz, Berlin und München gezeigt werden soll.
Ebenso bleibt wohl die Stiftung Rheinland-Pfalz ebenso bei diesem Titel.

> TAZ
> Stimme.de

Hier erste Fotos:









01.08.2006

Heimat - Museum in Woppenroth

Wie der SWR in einer Reportage aus Woppenroth berichtet soll dort in einer kleinen Kapelle ein Filmuseum eingerichtet werden.

Reportage im Internet (Realplayer wird benötigt) 

28.07.2006

Heimat - Fragmente am Lido 

Venedig - Vom 30.8. bis 10.9.2006 findet das 63. Filmfestival von Venedig statt. Ebenfalls in Venedig vertreten ist Edgar Reitz mit Heimat - Fragmente. Nachdem bereits Heimat, Die neue Heimat und Heimat 3 mit grosser Begeisterung vom Festivalpublikum aufgenommen wurden, kann Edgar Reitz sich sicher sein, dass auch Heimat - Fragmente in Venedig gefeiert wird. In etwa 40 Szenen berichtet der Film von der Suche der Protagonistin Lulu nach etwas, das sie die "alte Zukunft aus Kindertagen" nennt, gleichzeitig skizziert der Film Leben und Träume von Frauen eines Jahrhunderts. Zu sehen ist der Film in der Sektion Orizzonti. 

Link 

16.03.2006

Weder "Heimat IV" noch weitere Dreharbeiten im Hunsrück. Reitz reagiert auf Pressewirbel.

Gestern wurde eine Meldung der dpa, ausgelöst durch eine Pressemitteilung der Rheinland-Pfalz-Stiftung für Kultur, in verschiedenen Zeitungen und Radioistationen veröffentlicht, in der es heisst, Edgar Reitz werde eine Fortsetzung der Heimat-Trilogie in diesem Jahr drehen. "HEIMAT IV" sei der Titel und es würden in diesem Jahr noch Dreharbeiten im Hunsrück stattfinden. 

> http://www.szon.de/news/kino/aktuell/200603140793.html
> http://derstandard.at/?url=/?id=2377668
> http://www.wunschliste.de/index.pl?news&newsid=911&archiv=0

Diese Meldung ist allerdings nicht ganz korrekt. Edgar Reitz hat sich daraufhin mit folgender Mitteilung an die Presse gewandt und uns zur Veröffentlichung an die Fans zugemailt:

Die Bezeichnung HEIMAT IV ist irreführend. Ich arbeite an einer Art Epilog zur fertigen HEIMAT-TRILOGIE, einem Einteiler, der im Stil eines Bilderbogens die Figuren der Handlung und ihre Lebensgeschichten reflektiert. Es handelt sich also um einen reinen Montagefilm mit Material, das in der Trilogie keine Verwendung fand. Der Film wird nicht länger als 150 Minuten sein. Ein Titel steht noch nicht fest. Auslöser für das Epilog-Projekt war, dass ich bei der Neuordnung meiner Archive 2005 auf das Material stieß, das sich am Rande der HEIMAT-Produktion
in 25 Jahren angesammelt hatte. Nach so langer Zeit hat man vieles schon vergessen, sodass ich erstaunt war, was für wunderschöne Szenen und Bildsequenzen sich in den Filmbüchsen vorfanden. Ich wollte dieses Material nicht einfach untergehen lassen. Ich denke, das würde jeder andere Filmemacher auch so empfinden.
Ich bin glücklich darüber, dass mich die Rheinland-Pfalz-Stiftung für Kultur nicht gezwungen hat, ein förmliches Drehbuch vorzulegen. So kann ich versuchen, das sehr fragmentarische Material in aller Ruhe zu einer überzeugenden Form zusammenwachsen zu lassen. Ich habe mir für die Arbeit kein Zeitlimit gesetzt. Die Rahmenhandlung mit Nicola Schössler, der unvergesslichen Darstellerin der "Lulu" von HEIMAT 3 wurde bereits gedreht. Ich werde erst später entscheiden, ob weitere Dreharbeiten erforderlich sind. Diese können jedoch bei dem Mini-Budget nur sehr bescheiden ausfallen. Es gibt für den Epilog-Film bisher lediglich den kleinen Förderungszuschuss der Rheinland-Pfalz-Stiftung für Kultur. Alle weiteren Mittel werden von mir persönlich getragen. Es gibt keine Beteiligung eines TV-Senders. Es haben auch keine Gespräche mit ARD-Redaktionen darüber stattgefunden, sodass eine Ausstrahlung im deutschen Fernsehen noch nicht vorgesehen ist. Ich denke zur Zeit daran, den Film den HEIMAT-Freunden in aller Welt als DVD anzubieten.

 

26.02.2006

Für die Fans der Heimat Fanpage kam heute eine Email von Edgar Reitz mit seiner Rede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde:

Rede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Mainz am 21.02.2006

«Film und Wirklichkeit»

Ich habe eine Reihe wichtiger Gründe, über dieses Thema nachzudenken. Die Art und Weise, in der die HEIMAT-TRILOGIE von der Öffentlichkeit oftmals wahrgenommen wurde, wirft meine ursprünglichen Ansichten über Film und Wirklichkeit über den Haufen. Was in meinen Augen einmal eine äußerst subjektive Erzählung war, die sich nur selten an Fakten, dafür aber umso mehr an Wünschen, Ängsten und vagen Erinnerungen orientierte, das wurde vom Publikum oft als abgefilmte Realität verstanden. Meine Geschichten wurden der Welt der Tatsachen zugeordnet, die eigene Erfahrungen der Zuschauer sogar ausgelöscht und ersetzt haben. Ich spreche hier nicht von der Popularität, die ein Film erreichen kann, denn diese entsteht eher durch die Mythen, die er in die Welt setzt, durch die poetische Kraft seiner Figuren und die angebotenen Identifikationen; all das finde ich wunderbar. Ich spreche vielmehr von den fatalen Verwechselungen zwischen Film und Leben, von Versuchen, die Schauplätze, Charaktere und ihre Geschichten jenseits der ästhetischen Gestalt des Film-Werkes zu begreifen, von Versuchen, die erzählten Geschichten als bare Münze zu nehmen. Meine Überzeugung, dass ein Film bestenfalls ein Abbild des Lebens, niemals aber ein Ersatz oder gar eine Verdoppelung der Realität sein kann, musste ich für mich behalten. Der Umgang mit Schabbach, den Simons, dem Günderodehaus oder den vielen Figuren des Films, wie Clarissa, die Kath, der Glasisch oder das Klärchen ist mir oft ein Ärgernis gewesen. Ich will deswegen hier versuchen, die Filmkunst gegen ihre eigene Suggestivität zu verteidigen. Ich halte das für notwendig, denn es gibt bei aller Anerkennung, die dem erzählerischen Realismus von HEIMAT gewährt wird, das Problem eines Poesie-Verlustes durch die erfolgreiche Rezeptionsgeschichte. Deswegen sei es mir gestattet, hier einmal für die filmische Poesie einzutreten und die Grenzbereiche zwischen Film und Wirklichkeit ein wenig zu beleuchten, zumal diese Grenzen durch die Medien permanent verletzt werden und die Fernsehbilder sich deswegen in fataler Weise zwischen uns und unsere Realitätswahrnehmung drängen.

Es heißt, dass die Erfindung der bewegten Bilder auf einer Täuschung des Auges beruhe: Die Filmkamera "zerhackt" den kontinuierlichen Zeitablauf in eine Reihe von starren Augenblicken. Infolge der Trägheit des menschlichen Nervensystems, das Momenteindrücke von einer raschen Bildwechselfrequenz nicht unterscheiden kann, entsteht in unserem Hirn der Eindruck von ruckfrei fließender Bewegung. In der Frühzeit des Kinos hatte man sich auf 18 Bilder pro Sekunde geeinigt, später wurde die Laufgeschwindigkeit der Filme auf 24 Bilder pro Sekunde gesteigert, um den Flimmereffekt der Stummfilmzeit zu überwinden. Die Fernsehtechnik beruht auf dem gleichen Prinzip und arbeitet mit 50 Halbbildern pro Sekunde, weil man bei dieser Geschwindigkeit die 50 Hz Wechselfrequenz des Netzstromes als Taktgeber nutzen kann. Kontinuierliche Bewegungsabläufe können aber auch die modernen Großbildverfahren wie IMAX, das hochauflösende Fernsehen und die angeblich flimmerfreien Flachbildschirme nicht darstellen. Es steht außer Zweifel, dass technisch immer weitere Qualitätsverbesserungen erreichbar sind und dass die bewegten Bilder auf Leinwand oder Bildschirm in Schärfe, Auflösung, Farbtreue und Flimmerfreiheit der natürlichen Wahrnehmung des Auges immer näher kommen werden. Aber werden sie der natürlichen Wahrnehmung der Augen irgendwann gleich? Lässt sich das Auge, lassen sich Sehnerv und Hirn wirklich komplett täuschen, sodass wir die Filmbilder als Wirklichkeit erleben? Die Frage nach dem Zusammenhang von Sinnen und Sinn stellt sich mir umso dringlicher, als die kommerziellen Angriffe der Medien auf unsere Sinneswahrnehmungen unmittelbar zu Eingriffen in die Sinnvermittlung werden.

Machen wir ein Experiment: Richten wir den Blick auf irgend einen realen Gegenstand oder besser noch auf eine lebende Person. Betrachten wir einmal ganz bewusst dieses "Bild" vor unseren Augen, öffnen wir einmal alle Sinne für die Wahrnehmung seiner Anwesenheit und der dabei verfließenden Zeit. Wir werden feststellen, dass nicht nur dieser Gegenstand, den wir anschauen, seine Bewegung oder sein Dasein in der Zeit hat, sondern dass wir, die wir ihn betrachten, Zeitgenossen des Betrachteten sind. Wir schauenden Subjekte nehmen an genau dem selben Zeitfluss teil, der auch die angeschauten Dinge bestimmt. Wir empfinden ein deutliches Hier und Jetzt, und wir wissen zugleich, verdeutlicht durch alle unsere Lebenserfahrungen, dass diese gemeinsame Gegenwart niemals zum Stillstand kommt, sondern ewig und immer sich aus der dunklen Zukunft in die Todeswelt der Vergangenheit hineinbewegt. Diese sinnliche Erfahrung unserer Anwesenheit im gesellschaftlichen Raum ist zugleich eine erste Sinnerfahrung. Realzeit, das ist der absolute Ernstfall, die Zeit, in der wir geboren werden, in der wir von Freiheit sprechen, in der wir agieren, in der wir lieben, hassen und sterben.

Richten wir aber den fragenden Blick auf eine Kinoleinwand, so erkennen wir sofort, dass die Personen auf der Projektionsfläche nicht "Live" sind. Ihr Auftritt findet nicht zur gleichen Zeit statt, wie die Betrachtung. Selbst wenn ein Spielfilm es durch seine Handlung vermag, uns in seine eigene, die Erzählzeit suggestiv hineinzuziehen, sodass wir so erregt zuschauen, als wären wir "dabei", so wissen wir aber dennoch sehr genau, dass dies alles nicht im üblichen Sinne real ist. Selbst Kinder kennen von vorn herein und ohne jegliche Anleitung diesen Unterschied. Die Sinne lassen sich auch durch großen technischen Aufwand nicht dauerhaft täuschen. Selbst wenn alles aufgeboten wird, was an Naturalismus möglich ist, dreidimensionales Bild, Farbfilm, Stereoton, Rundumprojektion ohne Rahmen, bleibt diese Unterscheidungsfähigkeit der Sinne erhalten. Alle möglichen Versuche dieser Art sind gemacht worden.

Mit den neuen elektronischen Techniken wird versucht, alle Sinne gleichzeitig zu täuschen, indem auch noch "interaktive" Beziehungen zum künstlich vermittelten Bild der Welt aufgenommen werden können. Man kann den künstlichen (virtuellen) Raum quasi betreten, man kann sich darin umsehen und in gewissem Ausmaß auch darin handeln. Aber ich behaupte, dass sich unser Wirklichkeitssinn auch durch solche Anordnungen nicht vollkommen täuschen lässt. Das projizierte oder digitalisierte Bild ist von einer grundsätzlich anderen Natur als das Bild, das wir mit unseren eigenen Augen im Kontext der eigenen Lebensgeschichte wahrnehmen. Eine Ursache dieser Unterscheidungsfähigkeit ist eine für die menschliche Natur typische Verbindung der Sinne zum Sinn. Das äußere Bild tritt in Verbindung zu den inneren Bildern und überprüft dabei die Rolle des Selbst. Die gesamte Wahrnehmung der Welt ist zugleich eine Selbstwahrnehmung und Sinnsuche. Das allgemeine Gesetz, dass wir nicht an verschiedenen Orten zugleich sein können und dass Zeit immer etwas Gemeinsames ist, das wir mit anderen Menschen teilen müssen, dient den Sinnen als Unterscheidungskriterium. Zwischen Filmaufnahme und Wiedergabe vergeht Zeit, die deutlich werden lässt, dass die im Film "festgehaltene" Zeit schon unmittelbar nach dem Abschalten der Kamera vergangene Zeit ist. So beschreibt der Film immer "vergangene Bewegung". Bewegung und Zeit aufbewahren zu können und im Nachhinein sichtbar zu machen, das ist das eigentlich Neue an der Cinematographie. Durch die Erfindung des Fernsehens hat sich diese Verschiebung auch im räumlichen Sinne durchführen lassen. Die "Direktübertragung" von bewegten Bildern lässt zwar die zeitliche Verschiebung gering werden, sodass man von "Gleichzeitigkeit" spricht, aber die Bewegung, die an einem Ort stattfindet, wird an anderen Orten nur wiederholt. Auch da unterscheiden unsere Sinne besser als unser Verstand und "wissen", dass nichts unmittelbar real sein kann, was nicht "hier" ist und nicht das „Jetzt" mit uns teilt. Die Nervenreflexe sind anders gesteuert und lassen sich durch Filmbilder ihre eigene Zeit nicht wegnehmen.

Seit Aristoteles gibt es die Mimesis, die Konfrontation zwischen Wirklichkeit und ihrem von Menschen geschaffenen Abbild. Das Abbild ist aber immer ein ästhetisches Produkt, nur verständlich als eine Übersetzung in eine andere Realität: Es teilt nicht mehr Ort und Zeit mit uns. Das Kunstwerk erreicht uns von zwei Seiten gleichzeitig, als Anspielung auf Erinnertes - und als etwas „Schönes". Dabei verlagert sich jegliche Spannung, jede Begrifflichkeit und jede emotionale Empfindung auf diese Kunstebene, an deren Fiktionalität beim Betrachter kaum Zweifel aufkommen können. Das Auge als Bestandteil unseres sinnlichen Selbst lässt sich durch Bilder nicht täuschen. Unser Bewusstsein unterscheidet normalerweise zwischen Wirklichkeit und Film. Dabei erhebt sich die Frage, ob sich dieser natürliche Realitätssinn ausschalten lässt. Wie wirklich kann also Film sein?

Unsere Fähigkeit, Gegenwart als innere und zugleich äußere Realität zu begreifen, ist ein ganzes Leben lang gewachsen und hat bestimmt auch eine lange Vorgeschichte in der Evolution. Es ist oft darüber philosophiert worden, dass wir zur Erkenntnis der Wirklichkeit infolge dieser Verknüpfung der Sinne mit der subjektiven Wahrnehmungsweise eigentlich nicht ausgerüstet seien als Menschen. Jeder von uns kennt auch jene Zustände der Seele, die uns die Realitäts- Wahrnehmung unsicher machen und die Grenzen zwischen Traum, Imagination und Wirklichkeit verwischen. Es gibt aber eine Gewissheit, ohne die wir nicht hätten überleben können, weder in der Evolutionsgeschichte noch individuell: Dies ist unser praktisches Wissen von Zeitgleichheit. Wir wissen genau, dass ein Stein, ein Auto oder eine bewegte Hand, die real auf uns zukommen, gefährlich sind und verhalten uns nach dem Urteil unserer Erfahrungen. Wir weichen aus, wir fliehen, wir lassen zu. In anderen Fällen freuen wir uns auf die Berührung, genießen Zärtlichkeiten, warten ab und fliehen nicht. Wir bewegen uns in den Geschwindigkeiten, zu denen unsere Physis uns befähigt und entwickeln Sinne dafür, ob verschiedene Geschwindigkeiten sich vertragen oder zu gefährlichen Kollisionen führen.

Wenn wir aber Filmbilder betrachten, wissen wir, dass hier tödliche Gefahren nicht drohen und dass es auf die Beachtung der Geschwindigkeiten nicht wirklich ankommt. Wir fühlen uns in Sicherheit gegenüber der Wirklichkeit des Filmbildes und genießen die "Angstlust" wie auf der sicheren Achterbahn. Je realistischer die Sinneseindrücke im Kino sind, umso größer die Faszination. Das Kino verdankt seinen Erfolg von Anfang an dieser Realitätsnähe, die uns aufregt und zugleich unversehrt lässt. Eine Vielzahl von Computerspielen beruhen auf dieser Vermittlung gefahrloser Gefahren und sind deswegen so erfolgreich, weil selbst Kinder sich gegenüber dem Medium in Sicherheit wissen. Gerade deswegen setzen sie sich über die angeblichen „moralischen Gefahren", die ihnen von der pädagogisch engagierten Erwachsenenseite vorgehalten werden, so leicht hinweg.) Ich habe keine Antwort auf die Frage, warum unsere Reflexe bei körperlichen Angriffen so gut funktionieren, bei psychischen aber nicht.

Also, auf welche Weise bildet das Kino Leben ab? Das ist die Frage, die mich durch mein Filmemacher-Leben begleitet. Wie wir gesehen haben, ist es eine andere, eine "übersetzte" Wirklichkeit, mit der Film sich beschäftigt und nicht die Unmittelbarkeit, die von den Filmbildern oft suggeriert wird. Das Auge der Kamera entdeckt, dass alles, was sich zwischen den Menschen abspielt, seine eigene Zeit hat. Ob sich die Zeit in unserer Wahrnehmung unerträglich dehnt oder im Trubel der Erlebnisse heiter zerrinnt, am Ende wird sie uns ratlos zurücklassen und kein Zeichen hinterlassen, wohin sie gegangen sei. Auch die Kamera beherrscht dieses Dehnen und Raffen der Zeit und macht so das Abbild eines weiteren Geheimnisses möglich. Unwiederholbar und einmalig sind die Augenblicke des realen Lebens, - wiederholbar und zeitlos sind die Bilder, die der Filmemacher mit dem magischen Instrument - der Kamera – erbeutet, dem Leben und seiner Vergänglichkeit entreißt. Filmemacher sind Voyeure und Sammler. Ihr Interesse am Leben der Menschen, an der Bewegung ihrer Geschichten, an den Reibungen, die dabei entstehen, den Stockungen und Beschleunigungen, den Täuschungen und der Auflehnung der Sinne, entsteht aus der Sucht, sich alles anzueignen und Geschichten daraus zu montieren. Aber im erzählerischen Talent steckt noch eine andere Lust: Bewegungen zu erfinden, dem Leben Geschichten entgegenzusetzen, die in der Wirklichkeit niemals stattgefunden haben, damit also ein zweites Leben zu erschaffen, das dem wirklichen zum Verwechseln ähnlich ist. Auf der Kinoleinwand verschwindet der Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit, weil beides als Bild gleichermaßen realistisch aussehen kann. Kein Erzähler würde verlangen, dass man für buchstäblich hält, was er erzählt, denn der Erzähler ist mit dem Vorgefundenen nie zufrieden, das Erzählen begnügt sich nicht mit den Tatsachen. So wie es nicht genügt, die Filmkamera in Gang zu setzen, um ein Bild zu machen, so genügt es nicht, die Welt so abzubilden, wie sie uns gegenübertritt.

Auch das Erzählen selbst hat eine Bewegung. Es bewegt sich vom Bekannten zum Unbekannten. Die Faszination des Unbekannten entsteht aus dem Geheimnis, das die Dinge und Menschen in einer Geschichte umgibt. Poesie entsteht aus Ungewissheit. Der gute Erzähler beginnt seine Geschichten aus wohlbekannten Perspektiven und folgt seinen Figuren auf den Wegen in die Fremde. Der gute Erzähler wird niemals etwas in die Dinge "hineingeheimnissen", denn die Welt ist ohnehin voller echter Geheimnisse, denen man auf den Wegen des konsequenten Erzählens nicht entgeht.

Sobald das erzählerische Interesse im Vordergrund steht, sind nicht Kameras das eigentliche Werkzeug, sondern das persönliche Gedächtnis, die Erinnerung der Autoren. Es gibt einen Satz aus Chris.Markers Film SANS SOLEIL (von 1983), der auf besonders schöne Weise erklärt, wie das Geschichtenerzählen mit der Erinnerung arbeitet. „Ich werde mich mein Leben lang fragen, wie Erinnerung funktioniert, die nicht das Gegenteil von Vergessen ist, vielmehr seine Kehrseite. Man erinnert sich nicht, man schreibt das Gedächtnis um..." Erinnerungsarbeit ist also immer ein kreativer Akt. Sie setzt die Bruchstücke des Lebens, die in unserem Gedächtnis wie ein Scherbenhaufen herumliegen, neu zusammen und schafft sich eine Biographie. Biographien sind fiktiv, ebenso wie eine Film-Geschichte. Die Kamera arbeitet ähnlich wie unser Gedächtnis, produziert Bruchstücke und Wirklichkeits-Scherben, die wir als Film-Autoren in der Montage neu zusammensetzen und zur Erinnerungs-Geschichte montieren. Das Zeit-Kontinuum, das für unser Leben Naturgesetz ist, hat durch die Erfindung des Films einen Riss bekommen. Aber auch mit der Kamera holen wir das Vergangene niemals ein, wir trennen uns vielmehr endgültig, wenn wir einen Film machen. Diese Trennung findet, auf eine würdigere Weise statt, als es das bloße Vergessen tut. (Zitat:)

„Die Zeit heilt alles, nur nicht die Wunden. Mit der Zeit verliert die Wunde der Trennung ihre wahren Ränder. Mit der Zeit wird der begehrte Körper nicht mehr sein, und wenn der begehrende Körper schon aufgehört hat, zu sein, ist das was bleibt, eine Wunde ohne Körper." (SANS SOLEIL) Von solchen Wunden erzählt der Film.

Die Filmkunst handelt immer auch vom Abschiednehmen. –

Das filmische Konzept geht von den visuellen Archetypen aus. Es erzählt in Bildern, deren Ursprung jenseits der Worte liegt. Es geht um das Ausgraben und Aufdecken von Erinnerungen, von starken, gefühlsgeladenen Bildern, es geht letztlich um das Entdecken visueller Mythen, für die es keine Worte gibt und vor Erfindung der Filmkunst kein Medium gab. Dazu gehört die Gegenwart des menschlichen Gesichtes, sein Ausdruck in bestimmten Momenten der Erregung, die reine Anwesenheit der Person, wenn man sie mit Hilfe der Kamera als Welträtsel begreifen lernt, eine Geste zum Beispiel, die die Liebe neu und ewig macht, ein Licht, in das man treten kann, um sich der Wahrheit eines Tages zu vergewissern. Filmisch sind die Blicke, sind die Augen; der Film begibt sich auf die Suche nach dem Ewigen in den Oberflächen, nach dem unvergeßlichen Moment, er handelt permanent im Präsenz, er widmet sich der Liebe zu den Augenblicken, die sonst kein Medium so zu bannen vermag, wie der Film. Obwohl mit Kameras hergestellt und mit Objektiven aufgenommen, handelt Film nicht von realen Dingen. Real sind – vor allem im Spielfilm – vielleicht die Schauplätze, die Personen, ihre Kostüme und Requisiten. Unsichtbar ist aber die Geschichte selbst. Es gibt keine sichtbaren Geschichten. Deswegen habe ich mir immer wieder gesagt, lass dich nicht von deiner eigenen Inszenierung verführen. Schließe die Augen, bevor du einen Drehtag beginnst und erfinde deine Erinnerung neu. Lass die Geschichte vor deinem inneren Auge entstehen. Kürzlich las ich über kanadische Forschungsergebnisse in der Hirnforschung, dass „innere Bilder" mit offenen Augen besser wahrgenommen werden, als mit geschlossenen. Kubricks Titel EYES WIDE SHUT bekommt damit eine phantastisch-neue Dimension.

Soweit wäre also das Verhältnis von Film und Wirklichkeit für mich geklärt, wenn ich nicht nach der HEIMAT-TRILOGIE einer Umkehrung des Problems konfrontiert worden wäre. Scharen von heimatsüchtigen Zuschauern machten sich auf den Weg, um Schabbach zu besuchen, an den Gräbern der Simons ein Gebet zu verrichten oder an der Filmkulisse in Oberwesel das Günderrode-Haus wiederzufinden. Kürzlich sprach mich in einem Simmerner Café eine Frau an, die mir aufgeregt mittelte, ihr Mann sei der „Horst" aus HEIMAT 1. Beweis: Ihr Horst sei der Sohn eines Ortsbürgermeisters, habe mit 12 Jahren alle Bundesstaaten der USA auswendig aufsagen können und seine Mutter sei genau so eine Frau wie die Lucie. Liebe Frau, antwortete ich, da stimmt aber etwas nicht, denn mein Horst im Film ist, wie Sie vielleicht gesehen haben, im Alter von 14 Jahren bei der Explosion eines Minenblindgängers gestorben. Da kann er doch nicht heute Ihr Mann sein! Ach ja, meinte die Frau, wir wissen natürlich, dass in einem Film vieles erfunden ist. Ihre künstlerische Freiheit sei Ihnen gegönnt. Aber mein Mann ist der Horst. Übrigens, sehen Sie da sitzt er, da hinten an dem Tisch! –

Dies ist eine von Hunderten von ähnlichen Erlebnissen, die mir zeigten, dass die fiktiven Gestalten aus HEIMAT sich aus dem ästhetischen Zusammenhang des Films losgerissen hatten und nun im Leben der Zuschauer herumgeistern. Ja selbst die Toten haben noch den Film verlassen und wesen im Leben der Zuschauer herum. So kam eines Tages eine englische Familie in den Hunsrück, fragte sich bei den Leuten nach „Schabbach" durch und hielt schließlich auf der Dorfstraße von Woppenroth, wo sie wissen wollte, wo denn der Friedhof sei. Man wolle die Gräber der Simons besuchen. Nun war der Mann, den sie fragten, der örtliche Gastwirt, der – clever wie er durch den Schabbach-Tourismus geworden war - erklärte, der Friedhof sei leider schon geschlossen, aber er habe sehr gute Fremdenzimmer, in denen die Gäste aus Britannien übernachten könnten. Während der Nacht wurden die Dorfburschen mobilisiert, um die in einer Scheune zurückgebliebenen Styropur- Grabsteine auf den Friedhof zu bringen. So konnten die heimatsüchtigen Engländer am nächsten Morgen vor den Gräbern der Filmfiguren ihr stilles Gebet verrichten. (Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob der Liebe Gott einen Unterschied macht zwischen Gebeten für tote Lebende oder lebende Tote.)

Eine Doktorandin aus Mannheim beschrieb 1989 die Entwicklung der Amateurphotographie im 20. Jahrhundert und benutzte HEIMAT als Quelle für ihre hochinteressanten Analysen. Gebrauch der Geräte, Alltagsrituale, Modellentwicklungen der Photoindustrie, alle diese Fakten studierte sie an einem Spielfilm, der ihr wie ein Fenster in die historische Wirklichkeit erschienen ist.

Als gegen Ende unserer Dreharbeiten ein Dokumentarfilm unter dem Titel „Schabbach ist überall" gedreht wurde, war ich wütend. Ich empfand es als Anmaßung und Ausdruck typischer Fernseh-Oberflächlichkeit, einen Spielfilm derart für bare Münze zu halten. Es wurde versucht, die eigene Geschichte des Hunsrück gegen die des Films auszutauschen. Manche Einwohner der Region entdeckten prompt, dass ihnen Stilisierungsmöglichkeiten ihres sonst so verödeten Dorflebens angeboten wurden und schlüpften während der Fernseh-Interviews in die Heimat-Identitäten wie in ein eigenes Kostüm: Die HEIMAT-TRILOGIE hatte ihre Figuren und Landschaftsbilder über alle Teile der Welt verbreitet. An dieser Ausweitung des Horizontes wollten die Hunsrücker natürlich auch persönlich teilnehmen. Der Versuch einer Rückverwandlung von Filmbildern in Realität blieb für mich allerdings ein unzulässiger Verstoß gegen ein ästhetisches Grundgesetz. Dennoch: Es bleibt eine Tatsache, dass ein Film diese doppelte Wirkungsweise haben kann: Wirklichkeit wird in Fiktion verwandelt und diese verwandelt sich in Wirklichkeit zurück. Das Fernsehen führt uns diese unheimliche Umkehrung täglich vor Augen.

Ich habe hier vieles sehr abgekürzt und sprunghaft darstellen müssen. Irgendwann einmal sollte ich die Lücken ausfüllen. Dabei wird es noch mehr um das Zeitproblem gehen: Das Grundmotiv für jede künstlerische Arbeit ist, dem Flüchtigen Bestand zu verleihen. Was wäre flüchtiger als das Leben selbst und unsere direkte Wahrnehmung der Welt? Film handelt von der Flüchtigkeit des Realen. Je flüchtiger ein Ereignis ist, eine Beleuchtung, ein Wort, ein Gefühl, umso reizvoller ist die Aufgabe, Bilder davon zu machen oder seine Geschichte des Vergehens zu erzählen. Die "allgemeingültigen" Themen, die "Wahrheiten" sind eher Sache der Philosophie, die auf der Fähigkeit beruht, mit geschlossenen Augen zu denken. Sache des Films ist es, mit weit offenen Augen zu träumen. Durch das Erzählen können wir Zeit, die sonst unwiederbringlich ist, wiederholbar machen und unserem Publikum zurückgeben. Vielleicht ist gerade das eins der Geheimnisse der Kunst, dass die Wirklichkeit, von der sie sich einmal abgeleitet hat, hinterher nicht mehr dieselbe ist.

 

21. Februar 2006

 

10.02.2006

Edgar Reitz wird Ehrendoktor in Mainz

Reitz als außerordentliche Persönlichkeit der deutschen Filmgeschichte geehrt

(Mainz, 10. Februar 2006) Als einer außerordentlichen Persönlichkeit der deutschen Filmgeschichte wird Edgar Reitz am 21. Februar 2006 von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Ehrendoktor-Würde verliehen. Reitz ist einem breiten Publikum vor allem als Autor und Regisseur der drei großen "Heimat"-Zyklen bekannt, die die ARD seit 1984 wiederholt ausgestrahlt hat. "Er ist der Epiker Deutschlands im 20. Jahrhundert und der Jahrtausendwende schlechthin. Edgar Reitz hat das Wort Heimat von jenem rückwärts gewandten Odium befreit, das ihm aus der Blut-und-Boden-Ära des deutschen Faschismus anhaftete." (Peter W. Jansen)

Reitz, 1932 im Hunsrück geboren, hat mit dem erfundenen Dorf Schabbach einen populären Fixpunkt auf der geistigen Landkarte Deutschlands eingetragen. Dabei begann Reitz als Avantgardist seines Metiers, folgerichtig war er Mitglied der "Oberhausener Gruppe", die 1962 den jungen deutschen Film ausrief. Schon früh ein Mentor der Kinokunst, gründete er mit Alexander Kluge das Institut für Filmgestaltung an der seinerzeit für ihre Modernität berühmten Hochschule für Gestaltung in Ulm. 1995 begründete er das europäische Institut des Kinofilms EIKK in Karlsruhe. An der dortigen Hochschule für Gestaltung wirkt er zudem als Professor für Film.

Seine Film- und Fernseh-Produktionen haben zahlreiche Anerkennungen erhalten: Bundesfilmpreise, Adolf Grimme-Preise, Auszeichnungen bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig, ferner in Japan, Cannes, London und anderswo.

Edgar Reitz darf als herausragender Filmerzähler, als vorbildlicher Filmlehrer und überdies noch als visionärer Filmpolitiker gelten, der in seiner kreativen und akademischen Praxis Wissenschaft, Kino und Fernsehen 'versöhnt' hat. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Edgar Reitz setzt ein Zeichen dafür, dass es möglich ist, eine Brücke zwischen Universität und Filmkunst, zwischen Gelehrten- und Künstlerrepublik zu schlagen.

08.12.2005

Kunststoff-Lenin wurde zur Rei(t)zfigur

Mehr dazu hier...

20.09.2005

Heimat 3-Veranstaltung

Die Akademie für politische Bildung in Tutzing veranstaltet am 16.-18.12.05 eine Nachlese zu Heimat 3 unter dem Titel "Heimat 3 - eine film- und zeitgeschichtliche Nachlese
15 Jahre Deutsche Einheit". Edgar Reitz ist eingeladen und habe zugesagt zu kommen.
Mehr Infos unter http://www.apb-tutzing.de/

15.09.2005

Kernerpreis für Edgar Reitz

Am Samstag, 17.09.05, wird Edgar Reitz in Weinsberg mit dem Kernerpreis für seine Heimat-Trilogie ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5000 EUR dotiert.
Infos zur Veranstaltung hier.

15.09.2005

Günderrodehaus feierlich eröffnet
 
Das Günderrodehaus, romantisch in den Weinbergen oberhalb von Oberwesel gelegen, ist nun ein gastronomischer Betrieb.
Begleitet von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die Musikstücke aus bekannten Filmen spielte, darunter natürlich die Titelmelodie von Heimat3, wurde das Haus in Anwesenheit hunderter Hunsrücker und Oberweselaner und zahlreicher Presse, eröffnet. 
Oberbürgermeister, der Regierungsbeauftragten für das Welterbe Oberes Mittelrheintal, Investoren und Edgar Reitz sprachen Grußworte. Reitz erzählte von seinem Großvater und dessen Anekdoten, dessen Erzähltalent er geerbt haben müsse.
Die Gastronomie im Innenbereich sowie der Aussenausschank seien ab sofort geöffnet, das Filmmuseum in den oberen Räumen des Hauses hingegen sind noch nicht fertig gestellt.

Reitz, der in Begleitung seines Sohnes Christian und der Schauspielerin Nicola Schössler angereist war, nutzte die Festlichkeiten zum Dreh einiger Szenen für sein "Fußnoten"-Projekt.
Viele der Mitwirkenden von Heimat 3 aus dem Hunsrück waren ebenfalls anwesend und erfreuten sich der guten Stimmung.
 
  
Die Aussicht vom Günderrodehaus runter auf den Rhein und Oberwesel wurde von vielen bewundert.

Edgar Reitz bei seiner Rede im Festzelt.

Edgar und Christian Reitz zeigen Nicola Schössler die gerade mit ihr gedrehte Szene.

Bei oberweseler Wein und Spießbraten gab es gute Stimmung.

12.09.2005

Eröffnungsfeier des Günderrodehauses
 
Am Mittwoch dieser Woche (14.09.05) findet die Eröffnungsfeier des Günderrodehauses statt. Beginn ist um 17.00 Uhr. Eröffnet wird das Haus durch Staatsminister Roland Härtel, dem Regierungsbeauftragten für das Welterbe Oberes Mittelrheintal des Landes Rheinland-Pfalz. Begleitet wird dieses Event von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Edgar Reitz, Schöpfer der Heimat-Trilogie wird natürlich ebenfalls anwesend sein und außerdem Teile einer Dokumentation drehen.
Alle Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.
 

22.08.2005

Darsteller des Korbmacher Betz gestorben
 
Wie erst heute bekannt wurde, ist der einzige Darsteller, der Heimat-Trilogie, der in allen drei Teilen mitgewirkt hat, im Juli dieses Jahres nach langer Krankheit gestorben.
Reinhard Mosmann verkörperte in "Heimat" den Korbmacher Betz, in "Die zweite Heimat" spielte er Schnüßchens Vater und in "Heimat 3" gab er unnachahmlich den "Mann mit dem Ziegenbock", der zum Decken der Ziege von Hermann und Clarissa zum Günderodehaus kam.
Mosmann lebte im Hunsrück im Örtchen Dickenschied und war Mitglied der Theatergruppe Kirchberg.


Reinhard Mosmann (†)  
als Korbmacher in "Heimat".

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