08.12.05
Rhein-Zeitung

 

Kunststoff-Lenin wurde zur Rei(t)zfigur
Vier Meter hohes Requisit aus dem Film-Epos "Heimat" ist im Hunsrück als Blickfang unerwünscht

SIMMERN. Eigentlich sollte er nur Werbung für die Filmabteilung des Hunsrück-Museums machen, die vier Meter große Figur des russischen Revolutionsführers Lenin. Ursprünglich als Requisite aus dem Filmepos "Heimat" von Edgar Reitz stammend, wurde der vier Meter hohe Kunststoffmann zur wahren Rei(t)zfigur.

Mehrere Monate stand der Revolutionär Wladimir Iljitsch Uljanov, gemeinhin bekannt als Lenin mit gebieterisch ausgestrecktem Arm auf dem Simmerner Schlossplatz. Dort diente er als markanter Werbeträger des Museums, in dem sich eine umfangreiche Sammlung mit dem dreiteiligen Kultfilm "Heimat" des aus dem Hunsrück stammenden Regisseurs und Simmerner Ehrenbürgers Edgar Reitz beschäftigt. Der Rhein-Hunsrück-Kreis hatte nach Abschluss der Dreharbeiten des im Hunsrück und am Mittelrhein spielenden Films zur weiteren touristischen Vermarktung Kostüme und Requisiten erworben. Und zu diesem Konvolut gehörte auch der Lenin.

Die monumentale Statue war aber nicht nur monatelang beliebtes Foto-Objekt für Touristen und Cineasten, die auf Spuren der "Heimat" den Hunsrück erkunden. Das Kunststoff gewordene Relikt aus vergangener Zeit sorgte auch für Protest. Simmerns Bürgermeister Manfred Faust geriet ins ideologische Sperrfeuer. Er erhielt Protestschreiben, musste immer wieder wütende Anrufe von Lenin-Gegnern entgegennehmen.

Der Lenin wurde aus dem Zentrum der Hunsrückmetropole entfernt und ins Exil ins kleine Hunsrückdorf Alterkülz verbannt. Bemühungen, ihn vor dem ebenfalls als Heimat-Kulisse dienenden Günderrodehaus auf den idyllischen Rheinhöhen bei Oberwesel zu postieren, waren zuvor fehl geschlagen.

In Alterkülz gewährte der Steinmetz Eckhard Braun dann dem Vier-Meter-Mann vorübergehendes Asyl. Am Ortseingang postierte er ihn unübersehbar direkt neben dem viel befahrenen Schinderhannes-Radweg.

Das wiederum missfiel dem Gemeinderat, der heftig intervenierte. Ortsbürgermeister Horst Peuter verfügte den Abtransport. Mitarbeiter der Stadt Simmern stürzten schließlich die Statue von ihrem Alterkülzer Sockel und verfrachteten ihn in den städtischen Bauhof der Kreisstadt. Zwischen Gerüsten, Baumaterialien und Geräten harrt die Streitfigur jetzt auf eine ungewisse Zukunft.

Werner Dupuis

Die umstrittene Lenin-Statue hat im städtischen Bauhof von Simmern eine neue Heimat gefunden. Foto: Werner Dupuis

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